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OMC HR Trends - Personalauswahl

In der letzten Woche habe ich drei sehr intensive Tage auf zwei Veranstaltungen für Frauen erlebt: Zum einen auf der Karrieremesse herCAREER in München (10./11. Oktober) mit einem eigenen Messe-Stand und vier Vorträgen, zum anderen auf dem Female Future Force Day in Berlin, wo ich am 12.10. eine Masterclass zum Thema „Selbstständigkeit zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ gegeben habe.

Ich konnte sehr viele Gespräche mit jungen und etwas älteren Frauen führen über ihre Karriere, ihren Wunsch nach Eigenständigkeit und Selbstbestimmung, die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die gläsernen Decken in Unternehmen, die unterschiedliche Haltung von Männern und Frauen im Beruf… und den Wunsch, sein Leben neu zu gestalten.
 

Wie ein roter Faden zogen sich drei verschiedene Trends durch die Gespräche:

1.    Frauen ist die Haltung im Job wichtiger als die Position

Besonders bei Frauen mittleren Alters, so ab Mitte 40, beobachte ich eine ganz klare Tendenz: Sie lassen sich im Job nicht mehr klein machen, folgen zunehmend der eigenen inneren Haltung und verweigern den meist männlichen Vorgesetzten den Gehorsam. Sie stellen unbequeme Fragen, zweifeln Entscheidungen an und setzen damit teilweise auch ihre Karriere aufs Spiel.  Frauen sind nach meiner Erfahrung immer weniger dazu bereit, ihre Haltung für Ihre Karriere preiszugeben. Sie wollen weiter in den Spiegel schauen können und nehmen in Kauf, sich dafür beruflich verändern zu müssen bzw. eine scheinbar geringerwertige Position anzunehmen.

Beispiel: Die Geschäftsführerin eines mittelständischen Unternehmens erzählt mir, dass Sie es leid ist, offensichtlich unsinnige Entscheidungen ihres Gesellschafters durchzusetzen, die dem Unternehmen eher schaden und die Belegschaft demotivieren. Sie hat sich nun auf den Weg gemacht und ist auf der Suche nach einer Position, in der sie ihre eigenen Vorstellungen von Führung verwirklichen kann. Ob es dann wieder eine Geschäftsführung wird, ist ihr nicht wichtig. Sie verzichtet – wie so viele – bewusst auf eine vermeintliche Karriere zugunsten der eigenen Haltung.

Dunja Hayali hat auf dem Female Future Force Day ein langes, sehr persönliches Interview gegeben und nannte als einen ihrer wesentlichsten Leitgedanken ein Zitat von Alfred Herrhausen:
„Wir müssen das, was wir denken, auch sagen. Wir müssen das, was wir sagen, auch tun. Und wir müssen das, was wir tun, dann auch sein“.

Viele Frauen leben genau nach diesem Prinzip und scheuen nicht davor zurück, dafür auch berufliche Nachteile in Kauf zu nehmen. Vielleicht ist genau das einer der wesentlichsten Unterschiede zwischen Frauen und Männern auf ihrem jeweiligen Karriereweg.

2.    Frauen wollen ihr Leben bewusst gestalten

Ich habe insbesondere auf der herCAREER unser Workshop-Angebot OMC LifeDesign vorgestellt. Wir bieten damit die Möglichkeit, in der geschützten Umgebung einer kleinen Gruppe Design Thinking Elemente auf das eigene Leben anzuwenden und so die verschiedenen Lebensbereiche Geist, Handlung, Kontakt und Körper miteinander in Einklang zu bringen. Damit treffen wir offensichtlich den Nerv vieler Frauen, wir werden nach den Veranstaltungen nun einige neue Workshops ansetzen dürfen.

Aus den Gesprächen rund um OMC Life Design habe ich mitgenommen, dass viele Frauen ihr Leben bewusst in die Hand nehmen und gestalten wollen. Auch hier steigt mit zunehmendem Lebensalter die Intensität des Veränderungswunsches. Frauen wollen die Gestaltungshoheit über ihr Leben nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch nutzen und nehmen es in die Hand. Selbstoptimierung ist dabei nur in Grenzen gefragt, hier geht es tatsächlich in erster Linie darum, die Rahmenbedingungen für ein balanciertes und zufriedenes Leben zu schaffen. Wenn also der Job zu viel Raum einnimmt und keine Freiräume lässt für Kreativität und Austausch mit anderen, wird das Thema Neuorientierung bewusst angepackt, Prototypen gebaut und getestet. Das muss nicht immer gleich in einem Sprung ins kalte Wasser enden, das kann auch ganz sanft geschehen: Verringerung der Stundenzahl in der Festanstellung und paralleler Aufbau einer Selbstständigkeit ist zum Beispiel eine Möglichkeit, die eigenen Vorstellungen nicht nur theoretisch zu entwickeln, sondern auch ganz praktisch umzusetzen.

Dazu sind Frauen mehr und mehr bereit. Sie lamentiere nicht länger über das, was sie stört. Sie erarbeiten sich einen konkreten Plan und handeln, sie designen ihr Leben neu.

3.    Frauen machen sich Gedanken um ihre Männer, Väter, Brüder und Söhne

In München bei der herCAREER kam eine junge Frau, Mutter von zwei kleinen Kindern und selbst im Job stehend, und bat um ein Angebot zur Beratung ihres Mannes. Sie möchte ihm eine Beratung zur Beruflichen Neuorientierung schenken, damit er sich endlich öffnet für neue Perspektiven, den Alltagsdruck hinter sich lässt und sich traut, beruflich überhaupt neu zu denken.  Und zwar unabhängig von seiner formalen Karriere.

In Berlin beim Female Future Force Day bat mich eine sehr junge Frau darum, einen Geschenk-Gutschein für ihren Vater auszustellen, dem sie eine Beratungsstunde mit mir zu Weihnachten schenken möchte. Er ist auf Executive-Level in einem Konzern unterwegs, dabei tot unglücklich, aber hält aus lauter Disziplin und Verantwortungsgefühl für seine Familie an seiner Position fest. Die Tochter sagt ihm mit Ihrem Geschenk implizit: „Ich möchte, dass du zufrieden lebst und dich nicht für die Karriere aufopferst. Wenn du mein Studium dann nicht mehr länger finanzieren kannst, nehme ich das in Kauf.“

Nach unseren Erfahrungen sind es oft die Frauen, die die Männer in ihrem direkten Umfeld dazu bringen, sich kritisch mit ihrem (Berufs-)Leben auseinander zu setzen und sich von Aufgaben und Positionen zu trennen, die ihnen nicht guttun. „Frauen verändern Wirtschaft“ ist der Claim von
Plan W, dem Frauen-Wirtschaftsmagazin der Süddeutschen Zeitung. Offensichtlich tun sie das nicht immer auf dem direkten Weg, sondern auch über den Einfluss, den sie auf die Männer in ihrem Umfeld ausüben.

Fazit:
Insgesamt zeigen mir die vielen Gespräche der letzten Tage den deutlichen Wunsch vieler Frauen auf, sich nicht gegen Männer zu positionieren – weder beruflich noch privat. Ihr Ziel ist es vielmehr, das Leben gemeinsam lebenswert zu gestalten, ohne sich für die Karriere völlig aufzugeben oder dem persönlichen Selbstoptimierungswahn zu verfallen. Um diesem Ziel einen großen Schritt näher zu kommen, entwickeln wir bei unser Beratungsangebot laufend weiter – und zwar bewusst für Frauen und Männer.

Claudia Michalski

Claudia Michalski
Geschäftsführerin

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