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OMC inside Claudia Michalski

Viele Fach- und Führungskräfte sind derzeit unsicher, ob sie einen ungeliebten Job aus freien Stücken kündigen oder ob sie noch eine Zeit durchhalten sollen, um später auf einem stabileren Arbeitsmarkt wieder leichter Fuß zu fassen. Eine XING-Umfrage besagt, dass jeder vierte Arbeitnehmer unzufrieden ist mit seiner Jobsituation (https://www.new-work.se/de/newsroom/pressemitteilungen/2020-neue-xing-studie-jeder-vierte-ist-unzufrieden-mit-jobsituation-). Das sind alarmierende Zahlen.

Auch wir bei OMC stehen in unserem Beratungsalltag häufig vor der Fragestellung „Gehen oder bleiben“ und gehen das Thema mit unseren Kandidaten in der Regel von drei Seiten an:


KÖRPER
Wie verhält sich dein Körper morgens, wenn du zur Arbeit gehst? Oder am Sonntagabend, nach dem Wochenende. Gibt es ein Grummeln im Bauch oder ist dir sogar richtig unwohl? Der Körper gibt uns oft genaue Hinweise, wie wir uns fühlen. Manchmal können wir die Signale nicht richtig deuten, aber in solch einer Entscheidungssituation frage ich immer gerne: Gibt es körperliche Hinweise auf eine starke Belastung? Zum Beispiel:

Wie schläfst du?
Guter Schlaf ist elementar, das wird in vielen Ratgebern festgestellt und nicht umsonst landete Ariana Huffington schon vor Jahren einen Bestseller mit ihrem Buch „Sleep Revolution“. Schlechter Schlaf kann ein Indikator sein für eine starke berufliche Belastung.

Hast du häufig Rücken- oder Bauchschmerzen?
Manch ein Bandscheibenvorfall hat (auch) berufliche Ursachen: Wenn man die Last, die auf einem liegt, nicht länger tragen kann. Auch der Bauch ist ein guter Indikator. Wenn einem im Job zu viel „im Magen liegt“, kann das chronische Bauchschmerzen und am Ende sogar Magengeschwüre verursachen.

Fazit: Wenn du körperliche Symptome hast, die immer wieder auftreten, kann das ein Hinweis darauf sein, dass dich deine Arbeit krankmacht. Ein Alarmsignal, das du nicht ignorieren solltest.


SEELE
Mit welchem Gefühl gehst du morgens zur Arbeit bzw. an den Schreibtisch im Homeoffice?
Fühlst du dich dort aufgehoben und wohl oder zählst du die Minuten, bis du den Laptop endlich zuklappen kannst? Hast du Termine, auf die du dich freust? Begegnest du den Menschen in deinem Arbeitsumfeld gerne?

Was genau ist es, das du an deiner Arbeit gerne tust?
Und könntest du eventuell mehr davon bekommen?  Vielleicht mit einem Wechsel in eine andere Abteilung oder durch die Übernahme von mehr Verantwortung?

Umgekehrt gefragt:
Wer oder was ist es, der oder das dich im Job unglücklich macht? Viele neigen zu Selbstzweifeln und denken, sie sind nicht gut genug. Dabei sind sie manchmal nur von Menschen umgeben, die sie nicht wertschätzen, sondern klein machen. Oder sie haben eine Aufgabe, die ihnen nicht entspricht, in der sie eine Rolle spielen müssen, die sie stark belastet. Mehr Authentizität im Job wünschen sich viele, auch das hat die XING Umfrage gezeigt: 42 Prozent der Befragten müssen im Job eine Rolle spielen.

Fazit: Wenn du dich im Job sehr unwohl fühlst, nicht anerkannt wirst und ständig eine Rolle spielen musst, die dir nicht entspricht, solltest du dich eventuell gegen diesen Job entscheiden.


GEIST
Fordert dich deine Arbeit ausreichend heraus, bekommst du genug Impulse? Oder bist du gelangweilt? Es gibt nicht nur ein Burnout, sondern auch ein Boreout. Unterforderung kann sich genauso auswirken wie Überforderung. Das richtige Maß an geistiger Auslastung zu finden ist eine wichtige Voraussetzung für Zufriedenheit im Job. Nur die wenigsten können jeden Tag 10 Stunden lang am Rande ihrer Kapazitäten produktiv arbeiten, bei vielen Managern führt die ständige Überlastung zu körperlichen oder psychischen Stress-Symptomen. Der Geist ist überfordert und kann nicht frei arbeiten – unter beständigem Druck entstehen auch keine Ideen mehr. Wer sich Urlaub nehmen muss, um Konzepte zu schreiben, ist im falschen Job.

Bietet dir deine Position genug Entwicklungsmöglichkeit? Hast du eine Perspektive für die nächsten Jahre? Das ist insbesondere für jüngere Arbeitnehmer wichtig, die noch nicht am Ende ihrer Laufbahn angekommen sind und neben dem monetären auch einen geistigen Anreiz brauchen.

Fazit: Wenn du geistig unterfordert bist und dich langweilst oder ständig überlastet bist, ist dieser Job vermutlich nicht ganz der Richtige.


Als pragmatische Berater, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen und auch existenzielle Ängste nachvollziehen können, stellen wir auch immer die Frage nach den  

FINANZEN
Die Frage, ob ein Jobwechsel zu waghalsig ist, hängt selbstverständlich auch von deiner aktuellen finanziellen Situation ab.

Wie dringend brauchst du das Geld, das du monatlich verdienst? Wie lange hast du Zeit, um auch ohne neue Einnahmen oder mit Arbeitslosengeld überstehen zu können? Wie kommst du ggf. mit Einschränkungen klar, die du auf dich nehmen müsstest? Wer ist finanziell von dir abhängig, für wen trägst du finanzielle Verantwortung außer für dich selbst?

Wenn die drei Bereiche Körper, Geist und Seele darauf hindeuten, dass du den Job besser wechseln solltest und das Geld die einzige Bremse ist, gibt es vielleicht andere Einnahmequellen, die du aktivieren könntest? Es gibt keine Denkverbote. Oft genug werden in dem Moment, in dem man auch ohne konkrete Alternative seinen Job aufgibt, neue Energien frei und es tun sich Möglichkeiten auf, mit denen man nie gerechnet hätte.

Auch unter Krisenbedingungen ist die eigene Gesundheit am wichtigsten und man muss manchmal eine mutige Entscheidung treffen, um gesund zu bleiben – und zwar an Körper, Geist und Seele.

Kein Job der Welt ist es wert, dass er dich krankmacht.

 

Geschäftsführerin, Claudia Michalski, im Januar 2017

Claudia Michalski
Geschäftsführerin