de gb
Suchfunktion Lupe

Süddeutsche Zeitung vom 23. März 2018:

"Vitamin B wie Bittsteller"

 

Wenn Jobs nicht offen ausgeschrieben werden, müssen Bewerber selbst aktiv werden. Aus Scham zögern viele, sich als Kandidaten vorzuschlagen.

Interview von Sigrid Rautenberg

 

Claudia Michalski ist geschäftsführende Gesellschafterin der Outplacementberatung OMC Open Mind Management Consulting in Berlin. Sie unterstützt Fach- und Führungskräfte bei der Stellensuche.
 

SZ: Wie kommt man an eine Stelle, die nicht offen ausgeschrieben ist?

Claudia Michalski: Über Initiativbewerbungen, über Headhunter, vor allem aber über das persönliche Netzwerk. Das ist enorm wichtig. Früher hieß es etwas despektierlich Vitamin B. Mit unseren Kandidaten gehen wir systematisch deren Adressbücher durch. Vielen fällt es selbst im Freundeskreis schwer, von ihrer Suche nach einem neuen Job zu erzählen oder nach nützlichen Kontakten zu fragen. Aber auch Headhunter haben oft Stellen in der Hinterhand. Das Auftreten vor Personalberatern sollte man allerdings üben.
 

Wie kann man das üben?

In unseren Gruppen- oder Einzelgesprächen nehmen wir die Scheu davor, bei alten Bekannten oder Personalberatern anzurufen. Männern fällt das übrigens schwerer als Frauen. Solche Gespräche muss man trainieren, um nicht zu problembeladen rüberzukommen. Das geht auch mit dem Partner oder mit Freunden. Die größte Hürde beim Erschließen des verdeckten Arbeitsmarktes ist es, sich selbst adäquat darzustellen. Zu plump darf die Selbstvermarktung auch nicht sein. Viele Menschen sind da unsicher. Sie glauben gar nicht, wie oft ich das Wort Bittsteller höre! Das Thema Jobsuche ist häufig mit ganz viel Scham verbunden.
 

Wie trete ich denn am besten an ein Unternehmen heran?

Am besten ist es, den richtigen Ansprechpartner in der Fachabteilung anzusprechen. Viele Personalabteilungen arbeiten nur das ab, was sie von den Fachkollegen oder ihrer Geschäftsführung bekommen. Schreiben Sie eine kurze Mail, in der Sie Ihr Anliegen klar formulieren. Wichtig ist, sich kurz zu fassen und nicht weitschweifig seine Familiengeschichte zu erzählen. Das Gegenüber hat oft nur Minuten oder gar Sekunden Zeit. Argumentieren Sie mit dem Nutzen für den Empfänger. Das Schwierigste ist, dann einen Termin für ein Telefonat oder ein Gespräch zu bekommen. Vor allem aber fehlt vielen der Mut.
 

Kann man nicht einfach eine Initiativbewerbung rausschicken?

Nicht für jede Position und für jedes Unternehmen macht eine Initiativbewerbung Sinn. Vielen ist das lästig. Wenn doch: Gut ist es, zunächst ein Motivationsschreiben und eine einseitige Kurzbewerbung zu schicken. Die ausführlichen Unterlagen können dann auf Anfrage nachgereicht werden. Der limitierende Faktor ist die knappe Zeit des Empfängers.
 

Ihr ultimativer Rat für die Suche im verdeckten Arbeitsmarkt?

Haben Sie keine Scheu, selbst Vorschläge für eine eigene Position zu machen - und vor allem keine Angst vor Abweisung!

 

Zum Artkel Süddeutsche Zeitung